
Vom Paar zur Familie – Eltern werden verändert uns
- Denise Hettmannsperger

- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Ein Baby verändert alles.
Dieser Satz klingt vielleicht ein bisschen abgedroschen. Und trotzdem steckt unglaublich viel Wahrheit darin. Denn mit der Geburt eines Kindes wird nicht einfach nur ein Baby geboren. Es entstehen auch eine Mama und ein Papa – und aus einem Paar wird eine Familie.
Das ist wunderschön. Aber es ist auch eine ziemlich große Veränderung.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um euch beide, eure Bedürfnisse, eure Pläne und euren Alltag. Da ist ein kleiner Mensch, der euch braucht. Rund um die Uhr. Schlaf wird weniger, Verantwortung größer und vieles, was vorher selbstverständlich funktioniert hat, muss sich erst einmal neu sortieren.
Und genau darauf dürfen wir uns gemeinsam vorbereiten.
Eltern werden beginnt schon vor der Geburt.
In der Schwangerschaft beschäftigen wir uns mit unglaublich vielen Dingen.
Welcher Kinderwagen soll es werden? Was brauchen wir fürs Baby? Wo soll es schlafen? Welche Kleidung brauchen wir? Wie läuft eine Geburt eigentlich ab?
Das ist alles wichtig.
Aber mindestens genauso wichtig finde ich eine andere Vorbereitung:
Wie wollen wir eigentlich als Familie leben?
Wie stellen wir uns die erste Zeit vor? Wer übernimmt welche Aufgaben? Was braucht Mama nach der Geburt? Welche Rolle möchte der Partner oder die Partnerin übernehmen? Wie gehen wir damit um, wenn einer von uns völlig ko ist? Wie sagen wir einander, dass wir gerade Unterstützung brauchen? Können wir das denn eigentlich schon oder müssen wir das erst noch lernen?
Was erwarten wir denn eigentlich voneinander?
Viele Konflikte entstehen gar nicht deshalb, weil zwei Menschen grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen haben. Manchmal hat man einfach nie wirklich darüber gesprochen.
Sprecht miteinander – bevor ihr mittendrin seid...
Natürlich kann niemand genau vorhersagen, wie sich das Leben mit Baby anfühlen wird.
Ihr könnt vorher nicht wissen, wie eure Geburt verläuft. Ihr wisst nicht, wie euer Baby schlafen wird, wie Stillen oder Fläschchen geben funktionieren werden oder wie ihr selbst mit Schlafmangel und der neuen Verantwortung umgehen werdet.
Aber ihr könnt vorher anfangen, miteinander zu sprechen, zu klären, was euch wichtig ist.
Wer kann nachts unterstützen? Was passiert, wenn einer eine Pause braucht? Wie wollt ihr Besuch im Wochenbett handhaben? Wer kümmert sich um Essen, Haushalt und Einkaufen? Wie möchtet ihr Entscheidungen rund um euer Baby treffen? Und wie schafft ihr es, euch gegenseitig zu sagen: „Ich kann gerade nicht mehr“ – ohne dass daraus ein Vorwurf wird?
Welche Werte sind euch wichtig, gibt es Schnittpunkt oder Reibungspunkte mit eurer Familie?
Diese Gespräche lösen nicht jedes Problem.
Aber sie schaffen etwas sehr Wichtiges: Verständnis füreinander.
Auch eure Beziehung darf sich verändern
Nach der Geburt wieder möglichst schnell so zu funktionieren wie vorher, ist meiner Meinung nach gar nicht das Ziel, eigentlich auch gar nicht möglich, denn nach der Geburt ist eben ,,nach,, der Geburt...es ist alles anders.
Ihr seid nicht mehr dieselben wie vorher.
Ihr habt gemeinsam etwas völlig Neues begonnen.
Nähe kann sich verändern. Gespräche verändern sich. Prioritäten verschieben sich. Manchmal fühlt man sich dem anderen unglaublich verbunden – und manchmal fragt man sich zwischen Windeln, Wäschebergen und viel zu wenig Schlaf, wann man eigentlich das letzte Mal in Ruhe miteinander gesprochen hat.
Das darf sein.
Wichtig ist, dass ihr euch zwischen all den neuen Aufgaben nicht aus den Augen verliert.
Ihr müsst nicht jeden Abend eine romantische Paarzeit organisieren. Manchmal beginnt Verbindung viel kleiner:
„Wie geht es dir eigentlich heute?“
„Was brauchst du gerade?“
„Soll ich übernehmen?“
Oder einfach:
„Ich sehe, was du gerade alles leistest.“
Wissen kann Sicherheit geben...
Ein Teil dieser Vorbereitung ist für mich auch, Eltern Wissen mitzugeben.
Denn je besser ich verstehe, was während einer Geburt passiert, was mein Baby in den ersten Tagen braucht oder warum es sich auf eine bestimmte Weise verhält, desto weniger hilflos fühle ich mich vielleicht in einer ohnehin völlig neuen Situation.
Genau deshalb gibt es im Mamawerk verschiedene Angebote, die euch auf eure neue Rolle als Familie vorbereiten und euch darin begleiten.
In der Geburtsvorbereitung geht es nicht nur um die Geburt selbst. Es geht auch darum, gemeinsam auf das zu schauen, was auf euch zukommt und wie ihr als Team in diese neue Lebensphase starten könnt.
In der Säuglingspflege bekommt ihr Sicherheit im Umgang mit eurem Baby und könnt viele Dinge schon kennenlernen und ausprobieren, bevor ihr plötzlich mit eurem kleinen Wunder zu Hause sitzt und euch fragt: „Und jetzt?“
Und auch die Kommunikation mit Kindern gehört für mich dazu. Denn bedürfnisorientierte Begleitung beginnt nicht erst im Kindergartenalter. Zu verstehen, wie Kinder kommunizieren, welche Bedürfnisse hinter Verhalten stehen können und wie wir ihnen gleichzeitig liebevoll Orientierung geben, kann Familien von Anfang an stärken.
Und dann ist das Baby da …
… und plötzlich sieht die Welt manchmal doch ganz anders aus als im Geburtsvorbereitungskurs. 😉
Auch dann dürft ihr Fragen haben.
Ihr dürft unsicher sein.
Und ihr müsst nicht mit allem alleine klarkommen.
Deshalb helfe ich Familien auch in den ersten Tagen gerne weiter. Manchmal braucht es nur eine Antwort auf eine kleine Frage. Manchmal jemanden, der noch einmal mit draufschaut. Und manchmal zeigt sich, dass an einer bestimmten Stelle mehr Unterstützung sinnvoll wäre.
Begleitung bedeutet für mich mehr als eine Kursstunde.
Das ist auch ein wichtiger Teil meiner Babys-in-Bewegung-Kurse.
Natürlich geht es dort um Bewegung, Entwicklung, Wahrnehmung, gemeinsames Spielen und darum, euer Baby in seiner Entwicklung zu begleiten.
Aber für mich war Babys in Bewegung noch nie einfach nur ein Kurs.
Ich begleite Eltern liebevoll und ganzheitlich – auch über die eigentlichen Stunden hinaus.
Im Kurs entstehen Gespräche. Über Schlaf. Über Entwicklung. Über Ernährung. Über Unsicherheiten. Über das Elternsein. Manchmal auch darüber, dass gerade einfach alles ein bisschen viel ist.
Nicht für jedes Thema bin ich die richtige Ansprechpartnerin – und das muss ich auch nicht sein.
Was ich aber tun kann, ist hinschauen.
Zuhören.
Und euch dabei unterstützen, die richtige Anlaufstelle zu finden.
Ich vernetze junge Familien deshalb gerne mit entsprechenden Fachstellen und Ansprechpartnern, die genau dort ansetzen können, wo vielleicht zusätzliche Unterstützung gebraucht wird.
Denn für mich bedeutet gute Familienbegleitung nicht, auf alles selbst eine Antwort haben zu müssen.
Es bedeutet auch zu wissen, wer die richtige Antwort haben könnte.
Ihr müsst nicht perfekt vorbereitet sein
Vielleicht ist das sogar einer der wichtigsten Gedanken vor der Geburt:
Ihr könnt nicht alles planen.
Ihr könnt euch noch so gut vorbereiten – euer Baby wird trotzdem ein ganz eigener kleiner Mensch sein und euch vermutlich an einigen Stellen überraschen.
Aber Vorbereitung kann euch Wissen geben.
Kommunikation kann euch als Paar stärken.
Und ein gutes Netzwerk kann euch auffangen, wenn ihr merkt, dass ihr an einem Punkt Unterstützung braucht.
Aus einem Paar eine Familie werden zu lassen, ist kein einzelner Moment im Kreißsaal.
Es ist ein Prozess.
Ihr lernt euer Baby kennen.
Ihr lernt euch selbst als Mama und Papa neu kennen.
Und manchmal lernt ihr sogar euren Partner noch einmal ganz neu kennen.
Gebt euch dafür Zeit.
Ihr müsst nicht vom ersten Tag an wissen, wie Familie geht.
Ihr dürft gemeinsam hineinwachsen.
Mamawerk – Denise Hettmannsperger
Begleitung für Babys, Kinder und ihre Familien
Stutensee-Spöck


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