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Medien, Kinder und Konzentration - was ist dran, was steckt dahinter




Ich hatte heute Morgen ein interessantes Gespräch mit einer Mama die sich für die Reflexintegration interessiert.


Sie kam immer wieder auf das Thema Medien zurück und fragte mich ganz viel nach Hintergründen, nach Ideen den Konsum zu minimieren, sie hat sogar schon überlegt den Fernseher abzuschaffen… Aus Sorge, aus Pflichtbewusstsein, auch dem Denken Heraus eine „Ursache“ für alles zu finden – leider ist das nicht ganz so einfach und ich konnte nicht sagen „JA, die Medien sind schuld“ auch nicht das soziale Umfeld, auch nicht die Schule, auch nicht der Kindergarten, der fehlende Sport, das Essen…leider gibt es selten DIESE EINE Ursache – aber zurück zum Kern des Gesprächs, ich denke das bringt euch Mehrwert – die Frage:


„Wie viel Medienzeit ist eigentlich okay?“


Eine Frage, die wahrscheinlich fast alle Eltern irgendwann beschäftigt. Denn Medien gehören heute selbstverständlich zum Alltag unserer Kinder. Fernseher, Tablet, Smartphone und Spielekonsole sind da – und sie werden auch nicht wieder verschwinden. Mittlerweile werden in der Schule auch selten die Tafeln genutzt, es wird der „Beamer“ benutzt, mit Laserpointer und Tablet das verbunden ist, kleine Videos und Lehrfilme wie „Checker Tobi“ und Co. Wenn man als Mama zu Hause also „Medienminuten“ zählt, ist es echt schwer rauszufinden wie viel nach der Schule da noch bleibt.


Ich finde deshalb, dass wir nicht nur darüber sprechen sollten, wie lange ein Kind vor einem Bildschirm sitzt. Mindestens genauso wichtig ist find ich die Frage:


„Was macht mein Kind während dieser Zeit eigentlich?“


Denn Bildschirmzeit ist nicht gleich Bildschirmzeit. Medien können Kinder auch in Bewegung bringen. Ein schönes Beispiel dafür gibt es direkt bei uns in Karlsruhe.


Mit der Zoogeschichten-App von „readio“ können Kinder im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe an verschiedenen Tiergehegen QR-Codes scannen. Dadurch werden Geschichten zu den jeweiligen Tieren freigeschaltet. Das Smartphone ist hier also nicht das eigentliche Ziel - Es wird zum Werkzeug, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd.


Das Kind läuft durch den Zoo, sucht Tiere, entdeckt seine Umgebung, hört oder liest eine Geschichte und verbindet das Gesehene mit neuen Informationen. Die Geschichten können anschließend sogar zu Hause noch einmal gelesen werden was für mich das Erlebnis mit Liebe Nähe und Bindung zusammenbringt.


Ähnlich funktioniert die KVV.kids-App: Sie richtet sich bereits an Kinder ab drei Jahren und verbindet Geschichten rund um die Straßenbahn Pauly mit Lesen und Vorlesen.


Und auch Natur-Apps können spannend sein: Mit Anwendungen wie Snappit können Familien draußen Pflanzen, Tiere und Insekten entdecken und bestimmen.


Natürlich ist „Pokemon-Go“ im ähnlichen Kontext gestaltet nur ein bisschen weniger Lehrreich (Ironie off) aber es bingt immerhin Kinder in Bewegung und man kann es „gemeinsam“ spielen.


Das digitale Medium ersetzt hier die reale Welt nicht – es macht Lust darauf, sie zu entdecken, sich in ihr zu bewegen und Abenteuer zu sein. Genau hier – das ist der Unterschied. Natürlich darf ein Kind auch einfach einmal einen Film anschauen oder an einer Spielekonsole spielen, ich bin auch Mama und froh, dass es Serien und Filme mit halbwegs pädagogischen Inhalten oder wirklich wertvollen Botschaften gibt – vor allem Tagen an denen es mir nicht gut geht oder es einfach viel ist und ich eine „längere“ Pause brauche.


Medien müssen trotzdem nicht immer pädagogisch wertvoll sein, solange sie Altersgerecht bleiben und man den Inhalt mit seinem Kind bespricht, es damit nicht alleine lässt und „kontrolliert entscheidet“ was man anbietet.


Es macht einen Unterschied, ob ein Bildschirm gelegentlich Teil eines abwechslungsreichen Alltags ist – oder ob er immer häufiger Bewegung, freies Spiel, Langeweile, Begegnung und eigene Ideen ersetzt.


Gerade Fernseher und klassische Konsolenspiele haben häufig eines gemeinsam: Das Kind sitzt über längere Zeit und bekommt einen großen Teil der Reize bereits geliefert.


Beim freien Spielen passiert etwas ganz anderes. Ein Kind rennt, klettert, balanciert, baut, fällt hin, steht wieder auf, wirft, fängt, matscht, malt oder erfindet eine Geschichte, es benutzt sein Gehirn und seinen Körper und lässt somit seine Muskeln arbeiten. Es wird ganz anders müde als „nur“ vor dem Fernseher. DAS brauchen Kinder.


Die Weltgesundheitsorganisation betont deshalb ausdrücklich die Bedeutung von Bewegung und aktivem Spiel. Für Kinder zwischen fünf und 17 Jahren werden im Durchschnitt mindestens 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung täglich empfohlen. Bei jüngeren Kindern nimmt Bewegung einen noch größeren Teil des Tages ein.


„Was haben jetzt also Medien mit Konzentration zu tun?“


Denken wir uns mal rein warum die Frage nach den Medien immer so in Verbindung mit dem „Denken“ gebracht wird:


Dein Kind kann eine gefühlte Ewigkeit ein Spiel spielen oder eine Serie anschauen.

Bei den Hausaufgaben ist aber nach wenigen Minuten die Luft raus.

„Es kann sich doch konzentrieren, wenn es will!“ - Ganz so einfach ist es nicht.

Ein schnell wechselndes, stark stimulierendes digitales Angebot stellt andere Anforderungen an das Gehirn als eine Schulaufgabe, ein Puzzle, ein Buch oder das konzentrierte Zuhören.


Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten finden Zusammenhänge zwischen einer hohen Bildschirmzeit und Aufmerksamkeitsproblemen bei Kindern. Gerade bei jüngeren Kindern zeigen mehrere Untersuchungen entsprechende Zusammenhänge.


Dabei ist jetzt aber wichtig: Ein Zusammenhang bedeutet nicht automatisch Ursache und Wirkung. – Unterschied!


Ein Kind bekommt nicht durch eine Stunde Fernsehen plötzlich eine Konzentrationsstörung. Und nicht jedes Kind, das gerne zockt, entwickelt Probleme mit seiner Aufmerksamkeit.


Die Forschung weist außerdem darauf hin, dass die Beziehung in beide Richtungen gehen kann: Kinder, denen Aufmerksamkeit und Selbstregulation ohnehin schwerer fallen, können sich gleichzeitig besonders stark von digitalen Medien angezogen fühlen.

Was also jetzt? Wir guggen mal genauer:


Wenn Konzentration schwerfällt, schaue ich nicht nur auf das Verhalten, genau hier begegnet mir das Thema auch in meiner Arbeit mit der Reflexintegration.

Manche Kinder müssen unglaublich viel leisten, um etwas zu schaffen, das bei anderen scheinbar nebenbei funktioniert.


·       Still auf einem Stuhl sitzen.

·       Eine Zeile beim Lesen verfolgen. (Und dabei vielleicht auch noch reden)

·       Beim Schreiben die Körpermitte überkreuzen.

·       Nebengeräusche ausblenden.

·       Bei einer Aufgabe bleiben.

·       Den eigenen Körper ruhig halten und gleichzeitig zuhören.


Das sieht von außen schnell nach „unkonzentriert“, „hibbelig“ oder „keine Lust“ aus.

Aber Verhalten erzählt uns zunächst einmal nur, dass etwas schwierig ist – nicht WARUM.


Bei manchen Kindern können noch aktive frühkindliche Reflexmuster eine Rolle spielen. Sie können unter anderem motorische Abläufe, Haltung, Koordination und die Regulation des Körpers beeinflussen, das bedeutet jetzt aber nicht, dass Medienkonsum frühkindliche Reflexe verursacht oder dass jedes Konzentrationsproblem mit Reflexintegration erklärt werden kann – Kinder sind Komplex und es ist einfach FALSCH immer die Schubladen auf zu machen und sie da rein zu stecken.


Das macht mich manchmal sogar wirklich wütend will wir Erwachsene es uns damit „einfach“ machen. „Du kannst dich nicht konzentrieren? – Lassen wir den Fernseher weg, dann wird’s besser“ Klappt das nicht, wird was anderes gefunden – immer EINS das „Schuld dran“ ist.


Die Lösung? JA - Wenn ein Kind ohnehin viel Energie für seine körperliche Regulation benötigt, finde ich einen Punkt besonders wichtig:


Man sollte ihm möglichst viele ECHTE Bewegungs- und Körpererfahrungen ermöglichen.

·       Klettern.

·       Schaukeln.

·       Balancieren.

·       Rennen.

·       Springen.

·       Drehen.

·       Barfuß über unterschiedliche Untergründe laufen.

·       Bauen, basteln und mit den Händen arbeiten.

·       Draußen die Welt entdecken.


Kindliche Entwicklung passiert nicht nur im Kopf, am Anfang der Entwicklung „denken“ Kinder nämlich nicht, sie reagieren nur, sie bekommen Reize, empfinden… Und das passiert mit dem ganzen Körper, nicht nur mit dem Kopf, der kommt später immer mehr dazu, das ist richtig, aber das ist „später“ – JETZT ist das Kind noch Kind.


Deshalb bin ich nicht gegen Medien, ich möchte Eltern auch kein schlechtes Gewissen machen… Ein Film am Sonntagnachmittag ist kein Problem, eine Runde an der Konsole gehört für viele größere Kinder einfach dazu.

Und ganz ehrlich… manchmal rettet eine Folge der Lieblingsserie uns Eltern schlicht den Nachmittag.


Entscheidend ist für mich die Balance. Ich würde deshalb weniger fragen:

„Wie viele Minuten Bildschirm darf mein Kind?“ sondern eher „Was fehlt meinem Kind möglicherweise durch diese Bildschirmzeit? Gibt’s eine gute Alternative?“

Fehlt Bewegung -Fehlt Schlaf - Fehlt gemeinsames Spielen - Fehlen echte soziale Kontakte - Oder bereichert das Medium gerade sogar eine Erfahrung?


Wenn wir diese Fragen stellen, wird Medienerziehung plötzlich viel weniger schwarz-weiß.

Mein kleiner Medien-Check für Familien

Bevor du dien Kind ein digitales Angebot nutzten lässt, kannst du dir fünf sinnvolle Fragen stellen:


- Passt der Inhalt zum Alter meines Kindes?

- Ist mein Kind nur Konsument oder wird es selbst aktiv?

- Verdrängt die Medienzeit gerade Bewegung, Schlaf oder gemeinsames Spielen?

- Kann ich das Digitale mit einer Erfahrung in der echten Welt verbinden?

- Wie geht es meinem Kind nach der Medienzeit – ruhig und zufrieden oder völlig aufgedreht und schwer erreichbar?


Kinder reagieren sehr unterschiedlich – wir sind wieder bei meinem Satz – Jedes Kind ist individuell - deshalb brauchen sie auch unterschiedliche Begleitung.


Wenn dein Kind ständig „unkonzentriert“ wirkt, lohnt es sich manchmal, hinter das Verhalten zu schauen. Vielleicht braucht dein Kind andere Rahmenbedingungen. Mehr Bewegung... Weniger Reize... Andere Pausen... Mehr Unterstützung bei Übergängen…


Oder vielleicht gibt es körperliche Entwicklungsmuster, die bestimmte Situationen für dein Kind anstrengender machen, als wir von außen erkennen können.


Im Mamawerk schaue ich im Bereich Reflexintegration deshalb nicht darauf, was dein Kind vermeintlich „nicht kann“.


Wir schauen gemeinsam darauf, warum bestimmte Dinge so viel Kraft kosten können.

Wenn dein Kind beispielsweise schnell abgelenkt ist, beim Lernen ständig seine Position verändert, Schwierigkeiten hat ruhig zu sitzen, beim Schreiben oder Lesen schnell ermüdet oder du einfach das Gefühl hast:


„Da steckt mehr dahinter.“

… dann melde dich gerne bei mir.


Im Mamawerk biete ich Reflexintegration für Kinder ab 5 (manchmal passt es auch schon ab 4) an und wir können zusammen schauen, ob dieser Ansatz für dein Kind sinnvoll sein könnte.


Manchmal braucht ein Kind nicht mehr Ermahnungen, weniger Bildschirm oder noch mehr Übungen und Termine, manchmal lohnt es sich einfach, genauer hinzuschauen, sich selbst zu hinterfragen, die Schubladen alle mal auf zu machen und ordentlich zu sortieren – dabei helfe ich euch gerne.

Denise Hettmannsperger

Mamawerk – Großes für die Kleinsten

 
 
 

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