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Gleichgewichtsentwicklung im Baby- und Kleinkindalter

Gleichgewichtsentwicklung im Baby- und Kleinkindalter

vor 11 Stunden
4 Min. Lesezeit

Unsere Woche des Gleichgewichtes bringt mich zu einem Beitrag darüber für euch 🥰, denn Gleichgewicht entwickelt sich nicht plötzlich – es wächst Schritt für Schritt mit jeder Bewegungserfahrung, die ein Kind machen darf...

Schon im Babyalter wird die Grundlage dafür gelegt, wie sicher ein Kind später seinen Körper im Raum wahrnehmen, sich aufrichten, drehen, krabbeln, laufen oder auch klettern kann.


Wenn wir von Gleichgewichtsentwicklung sprechen, meinen wir nicht nur das „Stehen auf einem Bein oder balancieren auf einem Balken oder ähnliches...“. Es ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Wahrnehmungs- und Bewegungsbereiche, die möchte ich euch gerne jetzt kurz erklären:


  • Das vestibuläre System

    Der zentrale Baustein meiner Meinung nach... Das vestibuläre System sitzt im Innenohr und verarbeitet Informationen über Lageveränderungen, Beschleunigung und Bewegungen des Kopfes. Es hilft dem Kind also merken, ob es Grade aufrecht ist oder liegt. Ob es sich schnell oder langsam bewegt oder sich sogar Grade dreht. Es gibt Hinweise darauf, wie der kleine Körper reagieren muss, damit er stabil bleibt und die Bewegung macht, die das Kind möchte.

    Es arbeitet aber nie allein sondern mit einem weiteren super interessanten Körpermechanismen zusammen.


  • Die Propriozeption – die Wahrnehmung von Muskeln und Gelenken

    Hier werden Berührungs- und Körpererfahrungen, also taktile Reize verarbeitet und ans Gehirn weiter geleitet.


  • Die Hand Auge Koordination sorgt für die Orientierung und das wissen, wo die Hände sich im Raum befinden und welche Lage und Höhe der Kopf hat.

  • Tonusregulation – also eine angemessene Körperspannung ist wichtig um den Körper an die gewünschte Lage anzupassen und die gewünschten Bewegungen und Stellungen einzunehmen und zu halten.

  • Stell-, Schutz- und Gleichgewichtsreaktionen – automatische Reaktionen des Körpers, um Stabilität zu halten, hier sind wir bei den frühkindlichen Reflexen die sich teilweise schon direkt nach der Geburt verlieren aber manche davon jetzt noch beschützen und gebraucht werden um den Körper des Kindes zu beschützen. Einige dieser Reflexe bleiben für immer und helfen uns, uns nicht zu verletzen. (Wenn du hierzu mehr lernen magst schau mal in den anderen Blogbeiträgen)


Im Ganzen kann man aber sagen, Gleichgewicht entwickelt sich durch Bewegung, je abwechslungsreicher desto besser. Jede Lageveränderung, jedes Drehen, Schaukeln, Abstützen, Krabbeln, Hochziehen und Balancieren ist ein Lernfeld.


Wichtig - Entwicklung ist immer individuell... nicht jedes Kind macht alles zur gleichen Zeit. Manche Kinder probieren früh viel aus, andere beobachten länger. Beides kann völlig normal sein.


Schritt für Schritt kannst du aber schon ganz früh die natürliche Entwicklung unterstützen.


3–6 Monate: Die ersten Grundlagen


In den ersten Lebensmonaten entstehen wichtige Grundlagen für das Gleichgewicht und die Körperkontrolle. Dein Baby beginnt, den Kopf sicherer zu halten, stützt sich in Bauchlage ab und entdeckt langsam die Körpermitte.


Entwicklungsschritte in dieser Zeit sind zum Beispiel:


- Kopfkontrolle

- Bauchlage mit Abstützen auf Unterarmen oder Händen

- Drehen des Kopfes zu beiden Seiten

- seitliche Lage

- erstes Greifen über die Körpermitte

- freies Bewegen auf einer sicheren Unterlage


Du siehst hier die Voraussetzungen für Haltungsstabilität, Mittelorientierung und die ersten Stellreaktionen.


6–9 Monate: Drehen, Verlagern, Aufrichten


Viele Babys drehen sich jetzt sicher, verlagern das Gewicht auf die Hände und Knie und beginnen zu robben oder krabbeln.Sie üben jetzt viel, reagieren auf Bewegungen und lernen so, ihren Körper immer besser auszubalancieren.


Entwicklungsschritte in dieser Zeit sind zum Beispiel:


- Drehen in beide Richtungen

- Stützreaktionen in Bauchlage und im Sitzen

- Gewichtsverlagerung

- erstes Robben oder Krabbeln

- freies Sitzen oder das seitliche Sitzen

- Spiel in unterschiedlichen Positionen


Hier reifen besonders Schutzreaktionen, Gleichgewichtsreaktionen und die Koordination beider Körperseiten.


9–12 Monate: Mobilität und vertikale Orientierung


Spätestens jetzt wird auch das Leben von euch Eltern bewegter 🤭. Viele Kinder ziehen sich hoch, gehen seitlich an Möbeln entlang oder probieren erste freie Schritte. Das Gleichgewichtssystem arbeitet auf Hochtouren, denn das Kind muss jetzt immer wieder zwischen Stabilität und Bewegung wechseln.


Entwicklungsschritte in dieser Zeit sind zum Beispiel:


- Krabbeln über verschiedene Untergründe

- Hochziehen in den Stand

- Seitliches Gehen an Möbeln

- Hinsetzen und Aufrichten

- Übersteigen kleiner Hindernisse

- erste freie Schritte


In dieser Zeit entwickelt sich die posturale Kontrolle (die Fähigkeit, seinen Körper gegen die Schwerkraft zu organisieren) am schnellsten.


12–24 Monate: Gleichgewicht im alltäglichen Leben


Zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag wird Gleichgewicht in den Alltag integriert. Das Kind läuft, stoppt, dreht, klettert, steigt und beginnt, kleine Herausforderungen aktiv zu suchen.


Jetzt bringt Abwechslung den entscheidenden Einfluss...


- laufen auf unterschiedlichen Untergründen

- klettern

- über Kissen, Matten oder kleine Hindernisse steigen

- auf niedrige Elemente rauf und runter

- Ballspiele

- Tanzen, Drehen, Schieben, Ziehen

- erste kleine Balancierangebote


Wichtig... bitte trainiert und vergleicht nicht. Die Entwicklung der Kinder ist sehr individuell. Schau, wo dein Kind steht und hol es genau da ab.


Dont's:


Viel Zeit in Wippen, Schalen, Babysitzen oder anderen stark begrenzenden Positionen verbringen behindern durch die Bewegungseinschränkung die Entwicklung.


Leg dein Kind lieber auf eine sichere Decke oder in einem Laufstall ab, wenn du mal deine Hände brauchst oder dich nicht gleich beschäftigen kannst...


Gleichgewicht hat auch Einfluss auf Körperwahrnehmung, Bewegungsplanung, Sicherheit, Koordination und oft auch auf das emotionale Erleben. Kinder, die ihren Körper gut spüren und sich sicher im Raum bewegen können, erleben häufig mehr Selbstwirksamkeit.


Bei mir m Mamawerk wird Entwicklung deshalb genau so gesehen, wie sie ist – individuell, wertvoll und in Beziehung begleitet.


Habt viel Spaß beim Bewegen 🥳


Eure Denise Hettmannsperger



 
 
 

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