
Der Moro-Reflex – wenn dein Kind die Welt besonders intensiv wahrnimmt
Manche Kinder nehmen ihre Welt unglaublich intensiv wahr.
Sie hören jedes Geräusch, beobachten ganz genau, was um sie herum passiert, reagieren schnell auf Veränderungen und bringen eine große Wachheit mit. Vielleicht braucht dein Kind nach einem ereignisreichen Tag etwas mehr Zeit, um in die Ruhe zu finden. Vielleicht fällt es ihm leichter, sich zu konzentrieren, wenn um es herum wenig passiert. Oder du spürst einfach:
Mein Kind verarbeitet unglaublich viel.
Dann kann es sich lohnen, einmal genauer hinzuschauen.
Denn manchmal können frühkindliche Reflexmuster ein kleines Puzzleteil sein, das uns hilft, unser Kind noch besser zu verstehen. Das hilft im übrigen auch bei hochsensiblen Kindern sich wieder besser wahrzunehmen und leichter runter zu fahren.
Der Moro-Reflex.
Was ist der Moro-Reflex?
Der Moro-Reflex ist etwas ganz Natürliches und Faszinierendes.
Er gehört zu den frühkindlichen Reflexen und entsteht bereits während der Schwangerschaft. Diese automatischen Bewegungsmuster helfen einem Baby in einer Zeit, in der viele Bewegungen noch nicht bewusst gesteuert werden können.
Beim Moro-Reflex reagiert das Nervensystem auf einen plötzlichen starken Reiz oder eine Veränderung der Körperlage automatisch.
Du kannst diese Reaktion bei einem kleinen Baby manchmal wunderbar beobachten:
Die Arme öffnen sich, die Hände gehen auf , der Kopf überstreckt sich. Die Beine strecken sich ebenso und anschließend werden die Arme wieder zum Körper geführt.
Das Baby muss darüber nicht nachdenken, es passiert ganz automatisch - ein Reflex eben.
Und ich finde es immer wieder faszinierend, wie wunderbar die Natur unser Nervensystem ausgestattet hat.
Mit zunehmender Entwicklung übernimmt das Gehirn immer mehr bewusste Kontrolle. Das ursprüngliche Reflexmuster tritt in den Hintergrund. In der Reflexintegration sprechen wir davon, dass der Reflex integriert wird.
Silke Krämer beschreibt dies in ihrem Rexi-Konzept auch als zunehmende Unterdrückung des frühkindlichen Reflexes durch das reifende Gehirn.
Der Moro-Reflex und unser wunderbares Stresssystem
Unser Körper besitzt ein unglaublich fein abgestimmtes System, das uns dabei unterstützt, auf unsere Umwelt zu reagieren.
Wenn etwas Unerwartetes passiert, werden innerhalb kürzester Zeit verschiedene Prozesse aktiviert. Das autonome Nervensystem spielt dabei ebenso eine Rolle wie unsere hormonelle Stressregulation.
Und hier kommt auch Cortisol ins Spiel.
Cortisol ist ein wichtiges körpereigenes Hormon. Es hilft uns dabei, Energie bereitzustellen und uns an unterschiedliche Anforderungen anzupassen.
Deshalb möchte ich Cortisol gar nicht als etwas betrachten, das wir vermeiden müssen.
Cortisol gehört zu uns. Stressreaktionen gehören zu uns. Und auch die Fähigkeit, schnell auf unsere Umwelt zu reagieren, ist etwas Wertvolles.
Spannend wird vielmehr dann diese Frage:
Wie gut findet das Nervensystem anschließend wieder in die Regulation?
Genau hier lohnt sich der Blick auf das einzelne Kind.
Dabei möchte ich einen Zusammenhang ganz bewusst differenziert betrachten: Ein Moro-Reflex bedeutet nicht automatisch, dass bei einem Kind dauerhaft viel Cortisol ausgeschüttet wird.
Unser Stresssystem ist wesentlich komplexer.
Für mich ist deshalb weniger die Frage interessant:
„Hat mein Kind zu viel Cortisol?“
Sondern vielmehr:
„Wie erlebt mein Kind Reize und was unterstützt sein Nervensystem dabei, anschließend wieder in seine Balance zu finden?“
Was kann das mit Konzentration zu tun haben?
Stell dir vor, du möchtest etwas lesen.
Nebenbei läuft Musik, draußen fährt ein Auto vorbei, jemand unterhält sich neben dir und irgendwo fällt etwas auf den Boden.
Dein Gehirn muss permanent entscheiden:
Was davon ist gerade wichtig für mich?
Genau diese Fähigkeit braucht auch dein Kind jeden Tag.
Beim Spielen.
Beim Malen.
Beim Schreiben.
In der Schule.
Beim Zuhören.
Ich schaue bei der Reflexintegration auf das ganze Kind.
Konzentration wird von vielen Dingen beeinflusst. Ein Reflexmuster kann aber ein Puzzleteil davon sein.
Und genau deshalb finde ich es so spannend, hinzuschauen.
Moro-Reflex und Schlaf:
Für Schlaf braucht unser Körper etwas ganz Besonderes:
Sicherheit und die Möglichkeit, loszulassen.
Unser Nervensystem wechselt im Laufe eines Tages immer wieder zwischen Aktivität und Ruhe.
Manche Kinder schaffen diesen Wechsel ganz schnell. Andere Kinder brauchen etwas mehr Begleitung, einen vertrauten Ablauf, Nähe, Bewegung oder einfach ein bisschen mehr Zeit.
Wenn ein Kind sehr viele Reize wahrnimmt und intensiv verarbeitet, kann auch der Übergang in den Schlaf mehr Zeit benötigen.
Gerade weil ich im Mamawerk sowohl mit Kinderschlaf als auch mit Reflexintegration arbeite, finde ich diesen ganzheitlichen Blick besonders wertvoll.
Denn ich möchte nicht nur wissen:
„Wie schläft dein Kind?“
Ich möchte auch wissen:
„Wie erlebt dein Kind seinen ganzen Tag?“
Wie viel Bewegung bekommt es?
Wie verarbeitet es neue Situationen?
Wie leicht findet es von Aktivität wieder in die Ruhe?
Wie fühlt sich sein Körper für dein Kind an?
Und was hilft ihm dabei, sich sicher und geborgen zu fühlen?
Manchmal ergeben einzelne Puzzleteile gemeinsam plötzlich ein viel klareres Bild.
Kann man den Moro-Reflex integrieren?
Genau hier setzt die Reflexintegration an.
Die natürliche Entwicklung unseres Nervensystems ist eng mit Bewegung verbunden. Durch vielfältige Bewegungserfahrungen entwickelt das Kind immer mehr bewusste Kontrolle über seinen Körper.
Im Rexi-Rockstars-Konzept von Silke Krämer wird mit gezielten und regelmäßig wiederholten Bewegungsübungen gearbeitet. Silke beschreibt das Ziel dabei als Unterstützung der neuronalen Reifung und Integration noch vorhandener Restmuskelreaktionen.
Und genau dieses Konzept nutze ich bei meiner Arbeit im Mamawerk.
Dabei darf Bewegung etwas Schönes sein.
Sie darf spielerisch sein.
Sie darf Verbindung schaffen.
Und vor allem darf dein Kind erleben:
„Mein Körper kann das.“
Vielleicht liest du diesen Artikel und erkennst dein Kind an einigen Stellen wieder.
Dann möchte ich dir vor allem eines mitgeben:
Sieh diese Beobachtungen als Einladung, dein Kind noch ein bisschen besser kennenzulernen.
Genau dafür biete ich im Mamawerk Reflexintegration für Kinder ab fünf Jahren an.
Wir beginnen ganz entspannt mit einem Fragebogen und einem kostenlosen Erstgespräch.
Wir schauen gemeinsam auf die Entwicklung deines Kindes, seine Stärken, seine Bewegungsmuster und die Bereiche, in denen ein bisschen zusätzliche Unterstützung guttun könnte.
Anschließend kann ich die frühkindlichen Reflexmuster überprüfen.
Wenn Reflexintegration zu deinem Kind passt, bekommt ihr einen individuellen Trainingsplan und erste Bewegungsübungen für zu Hause. Im Mamawerk arbeite ich dabei, wie schon erwähnt, mit dem Rexi-Rockstars-Konzept und begleite euch Schritt für Schritt durch das Training. Zwischen den Terminen werden die Bewegungen gemeinsam zu Hause geübt und bei unseren Folgeterminen weiterentwickelt.
Dabei geht es mir um viel mehr als um einen Reflex.
Es geht um dein Kind.
Um seine Entwicklung.
Um sein Körpergefühl.
Um seine Stärken.
Und darum, gemeinsam herauszufinden, was ihm dabei helfen kann, sein eigenes Potenzial immer leichter zu entfalten.
Denn hinter einem Verhalten steckt immer ein Kind, das uns etwas zeigt.
Und manchmal verändert sich unser Blick schon dadurch, dass wir beginnen, eine andere Frage zu stellen:
Nicht: „Warum macht mein Kind das?“
Sondern:
„Was möchte mir mein Kind damit zeigen – und wie kann ich es auf seinem Weg begleiten?“
Genau dafür lohnt es sich hinzuschauen.
Mit Wissen. Mit Bewegung. Mit Zeit. Und mit ganz viel Vertrauen in dein Kind.
Denise Hettmannsperger
Mamawerk – Reflexintegration für Kinder und Erwachsene



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