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Beikost: Ein Leitfaden für Eltern

Aktualisiert: 7. Aug.

Wer sich mit dem Thema Beikost beschäftigt, sollte die Empfehlungen der WHO berücksichtigen. Diese sind genau das: Empfehlungen.


Die neue S3-Leitlinie zur Stilldauer


Die neue S3-Leitlinie zur Stilldauer empfiehlt sechs Monate ausschließliches Stillen und eine Mindeststilldauer von zwölf Monaten. Es hat mehr als 15 Jahre gedauert, bis Deutschland in dieser Hinsicht aufholt, während andere Länder bereits seit Jahrzehnten ähnliche Empfehlungen aussprechen. Stillen ist ein zentraler, physiologischer Prozess, der erhebliche gesundheitliche und psychologische Vorteile für Mama und Kind bietet.


Meiner Meinung nach geht die neue Leitlinie einen Schritt in die richtige Richtung. Dein Kind MUSS also nicht ab dem 6. Monat Brei essen. Es kann durchaus sein, dass es das noch gar nicht möchte oder kann.


Das Interesse am Essen richtig erkennen


Es kann auch sein, dass Essen dein Kind ab diesem Zeitpunkt sehr interessiert und es das damit auch verarbeiten kann. Wenn du stillst, wird dein Kind mit allem versorgt, was es braucht. Die Muttermilch passt sich je nach Alter an den Bedarf deines Kindes an, damit dein Baby alle Vitamine und Nährstoffe erhält, die es benötigt.


Aber auch wenn dein Kind Pre-Nahrung bekommt, muss es nicht ab dem 6. Monat Brei essen. Pre-Nahrung kann, genau wie Muttermilch, bedürfnisorientiert gegeben werden. Man kann das Kind damit nicht „überfüttern“, solange man auf die Zeichen des Kindes eingeht.


Dein Baby ist in Sachen Nahrungsaufnahme sehr kompetent. Es weiß, wann es so weit ist. Von selbst.



Beikostreife – Was ist das?


Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Kind schon Essen möchte, kannst du anhand von fünf Beikostreifezeichen überprüfen, ob Beikost – also Brei oder Fingerfood – schon eine Option ist. Oft kommt die Beikostreife und damit die Fähigkeit des Darms, feste Nahrung zu verarbeiten, gemeinsam mit anderen größeren Veränderungen, also neuen Fähigkeiten im Rahmen eines Entwicklungsschubes.


Bist du dir nicht sicher, kannst du nach diesen fünf Anzeichen Ausschau halten:


1. Sitzen


Das aufrechte Sitzen ist eine wichtige Fähigkeit, die die Beikostreife anzeigen kann. Sitzen schützt zusätzlich vor Verschlucken. Passiert das, kann das Verschluckte leichter herausgewürgt oder herausgehustet werden. Zwar wirkt der Würgereflex bei Babys sehr weit vorne im Rachen, trotzdem ist es nicht empfehlenswert, in einer halben Liegeposition wie etwa in einer Babywippe zu essen, nur weil das Baby noch nicht sitzen kann. In Schräglage passiert es viel leichter, dass Stückchen über diesen Auslösepunkt des Würgereflexes hinweg zu weit in den Hals gleiten.


2. Greifen


Gerade wenn es um Stückchen, also Baby Led Weaning (BLW), geht, ist es wichtig, dass das Kind die Nahrung auch greifen kann. Bei Brei braucht das Kind das nicht. Will es greifen (und das will vermutlich jedes Baby), und du möchtest ihm keine Essensstückchen geben, dann versuche es doch mit einem zweiten Löffel zum Selbsthalten.


3. Zielgerichtetes „zum Mund führen“


Das ist selbst erklärend und passt zum Greifen. Gerade wenn es um BLW geht, macht es das verständlich: Um Essen zum Mund zu bekommen, muss man es nicht nur greifen können, sondern auch zum Mund führen können. Die meisten Babys können das nach dem vollendeten 5. Lebensmonat. Davor wird eine Einführung von Beikost sowieso nicht empfohlen.


4. Kaubewegungen


Macht dein Baby bereits Kaubewegungen, wenn es dich beim Essen beobachtet? Zwar brauchen die Babys beim Brei die Kaubewegungen selbst nicht zum Zerkleinern des Essens (bei Fingerfood schon eher), aber durch diese Bewegung wird die Nahrung auch eingespeichelt, wodurch wichtige Enzyme (Amylase) aus dem Speichel unter den Brei gemischt werden.


5. Zungenstoßreflex ist verschwunden


Solange der Zungenstoßreflex noch vorhanden ist, wird dein Baby alle Nahrung umgehend wieder mit der Zunge aus dem Mund heraus befördern, weil es noch nicht so weit ist. Ist dein Baby bereit für feste Nahrung, wird dieser Reflex verschwunden sein. Achte darauf, ob dein Baby die Nahrung in den Mund nimmt und damit klar kommt. Hast du das Gefühl, es „kämpft“ damit, ist noch Zeit, ohne Beikost zu genießen.


Und wenn mein Baby trotzdem nichts isst?


Die meisten Kinder beginnen irgendwann zwischen dem 6. Monat und dem 1. Lebensjahr mit Beikost, manche früher, manche später. Es heißt übrigens Beikost, weil es eigentlich ergänzende Nahrung zur Muttermilch (oder Pre-Nahrung) ist und nicht umgekehrt.


Was damit die wichtigste Nahrungsquelle ist, sollte somit klar sein. Natürlich fragen Kinderärzte bei den vorgeschriebenen Untersuchungen ab dem 6. Monat ab, ob dein Baby Beikost isst. Das müssen sie! Bitte mach dir trotzdem keinen Stress, wenn dein Baby mit 6 Monaten noch kein Kreuzchen für „Beikost“ bekommt!


Ja, das ist natürlich und verständlicherweise die Zeit, in der du dir Gedanken darüber machst, dass dein Baby ohne Beikost nicht genug Vitamine und Nährstoffe bekommt. Wie oben bereits erwähnt: Es heißt „Beikost“ und nicht „Beimilch“.


Bleibt dran, nächste Woche gibt es mehr Infos zum Beikoststart mit ersten Rezepten für die kleinen Feinschmecker und vielen Praxistipps aus dem Mama-Alltag.


Du hast schon angefangen und kommst nicht weiter? Oder du bist sehr unsicher und brauchst einfach eine „richtige“ und umfassende Beratung? Melde dich gerne, wir finden einen Termin und einen Fahrplan.



Deine Denise Hettmannsperger



 
 
 

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